Unsere Thesen

Die in der Initiative Mut zur Praxis organisierten Unternehmen erleben es immer öfter, dass Hochschulabsolventen* zu wenig Praxis- und Auslandserfahrung haben, wenn sie den Berufseinstieg versuchen. In einem Positionspapier zur gewünschten Praxis- und Auslandserfahrung von Hochschulabsolventen haben sie daher einerseits ihre Forderungen niedergelegt, andererseits aber auch ihre Angebote dargestellt, mit denen sie zu einer Besserung der Situation beitragen wollen.

Um mehr über die einzelnen Thesen zu erfahren, können Sie diese ausklappen.

1. Chance

Gerade das erste Praktikum kann sehr prägend und hilfreich für den zukünftigen Karriereweg sein. Es gilt daher, Studenten zur ersten Praxiserfahrung zu animieren und Unternehmen zu motivieren, insbesondere jungen und unerfahrenen Studenten diese erste Chance zu bieten.

Studierende nutzen aus Sicht der Unternehmen zu selten die Möglichkeiten z.B. durch Praktika, Werkstudententätigkeiten und Projekte erste Erfahrungen in ihrem jeweiligen Praxisgebiet zu sammeln. Gleiches gilt für Auslandsprogramme. Auch hier wünschen wir uns, dass die Hochschulabsolventen mit mehr Auslandserfahrung aufwarten, wenn sie sich bewerben. Daher fordern wir, den Studierenden den notwendigen Freiraum im Studienverlauf zu gewähren, diese Praxis- und Auslandserfahrung sammeln zu können. Im besten Fall sollten diese Inhalte verpflichtend in der Studienordnung geregelt sein. Im Gegenzug versuchen wir bei den Unternehmen zu erreichen, dass ausreichend Praktikumsstellen mit den entsprechenden Rahmenbedingungen für Studierende zur Verfügung stehen und mehr Bewerbern die erste Chance auf ein Praktikum gegeben wird. In der heutigen Praxis haben wir leider noch die Situation, dass bei der Auswahl von Praktikanten eher diejenigen bevorzugt werden, die bereits einschlägige Vorerfahrungen, z.B. durch Praktika oder Werkstudententätigkeiten vorweisen können. Hier möchten wir ein Bewusstsein schaffen, dass zukünftig Studierenden, die ein erstes Praktikum absolvieren möchten, eine Chancengleichheit eingeräumt wird. Schließlich wird gerade das erste Praktikum sehr prägend und unterstützend für den weiteren Karriereweg sein. Von dieser Tatsache profitieren nicht zuletzt die Unternehmen, da schon früh in der akademischen Ausbildung eine langfristige Bindung zu Talenten der Zukunft aufgebaut werden kann.

2. Was bedeutet „Bachelor Welcome“?

Bachelor Welcome heißt auch, dass Firmen adäquate Möglichkeiten für Praktika und den Berufseinstieg für Bachelorabsolventen bieten. Damit wir Bachelor Welcome mit Leben füllen können, brauchen wir Bewerber, die auch nach dem Bachelor bereits Praxiserfahrung mitbringen.

Die verbreitete Sicht unter Studierenden ist, dass ein Bachelorabschluss nicht ausreichend ist, um ein adäquates Jobangebot zu erhalten. Damit geht die Überzeugung einher, dass gute Studierende, die beruflich etwas erreichen wollen, zwingend einen Master absolvieren sollten. Auf diese Weise kommt es zu einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis: Da Studierende nicht damit rechnen, als Bachelor eine Einstiegschance zu haben, bringen sie diesen möglichst ohne Unterbrechung hinter sich, um baldmöglichst mit dem Master zu beginnen. Dies schreckt wiederum Unternehmen ab, Bachelor einzustellen, da nur wenige Bewerber mit Bachelorabschluss ausreichend Praxiserfahrung haben. Außerdem stehen Unternehmen manchmal parallel Bewerber mit Bachelor, Master oder Promotion zur Verfügung – hier fällt oft die Entscheidung zu Ungunsten des Bachelors.

Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist ein Umdenken erforderlich. Von Seiten der Unternehmen ist kritisch zu prüfen, welche offenen Positionen es inhaltlich wirklich erfordern, dass Absolventen zwingend einen höheren Abschluss als den Bachelor mitbringen müssen. Wenn es eine eindeutige Perspektive für Absolventen mit Bachelorabschluss gibt, kann den Studierenden deutlich vermittelt werden, welche Anforderungen an studienbegleitender Praxiserfahrung von den Unternehmen gestellt werden.

3. Dauer des Studiums

Praxiserfahrung geht vor Regelstudienzeit!Die Dauer des Studiums stellt für die in der Initiative Mut zur Praxis organisierten Unternehmen kein vorrangiges Kriterium für die Auswahl der Bewerber dar. Wichtiger ist uns die Plausibilität der Studiendauer. Wir erwarten von unseren Bewerbern, dass sie durch Praktika, Auslandssemester, soziales Engagement, usw. Praxiserfahrungen gesammelt haben. Wenn sich durch dieses praktische Engagement die Studienzeit verlängert, ist das unkritisch, solange die Zeiträume nachvollziehbar bleiben. Aus unserer Perspektive sollte es daher auch nicht das vorrangige Ziel der Studenten sein, das Studium möglichst schnell abzuschließen. Praxiserfahrung geht für uns ganz klar vor Regelstudienzeit.

4. Persönlichkeitsentwicklung

Gute Noten und eine kurze Studiendauer sind keine Erfolgsgarantie. Praxiserfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung. Als Unternehmen haben wir den Auftrag, die Studierenden über Praxiseinsätze bei der Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten. Praxis- und Auslandserfahrungen während des Studiums sind neben dem Lerneffekt prägend für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Zwar bieten auch einige Hochschulen Module zur persönlichen Weiterentwicklung an, aber erst in der täglichen Auseinandersetzung mit den praktischen Anforderungen des Berufsalltags, kann man sich wirklich weiterentwickeln. Die Unternehmen der Initiative Mut zur Praxis legen daher weniger Wert auf eine kurze Studiendauer und einen geradlinigen Lebenslauf, als auf eine spannende individuelle Biographie aus der hervorgeht, wie sich der einzelne über die verschiedenen Stationen seines Lebenslaufs entwickelt hat.

5. Lernauftrag Praktikum

Unternehmen haben einen Bildungsauftrag! Vorrangiges Ziel eines Praktikums ist Lernen in der Praxis. Praktikanten sind keine billigen Füller von Kapazitätsengpässen.

Praktika sollen vorrangig der beruflichen Orientierung für die Studierenden dienen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie ihren daraus resultierenden Bildungsauftrag wahrnehmen und Praktikanten Einblicke gewähren sollen, die über die Unterstützung im Tagesgeschäft hinausgehen. Wir fordern, dass Praktikanten anspruchsvolle und herausfordernde Aufgaben und Projekte bekommen. Die Möglichkeit zu eigenverantwortlichem Arbeiten, ermöglicht Praktikanten realistische Einblicke in angestrebte Tätigkeitsfelder und dadurch eine sinnvolle Ergänzung zur theoretischen Ausbildung an den Hochschulen. Keinesfalls sollten Praktikanten als reguläre Arbeitskräfte zur Abdeckung von Kapazitäten aus dem Liniengeschäft genutzt werden. Im Vordergrund stehen das Lernen und die persönliche und fachliche Weiterentwicklung in einem begleiteten und geschützten Kontext.

6. Dauer des Praktikums

Ein Praktikum sollte mindestens 3 Monate dauern, damit Studenten davon auch wirklich profitieren. Unternehmen sehen Urlaubssemester, die für Praktika genutzt werden als sehr positiv an! Viele Studenten möchten gerne während ihrer Semesterferien ein Praktikum absolvieren, um ihre Studienzeit nicht zu verlängern. Wir empfehlen Studenten jedoch längere Zeiträume dafür einzuplanen, denn je länger ein Praktikum dauert, desto mehr können Praktikanten durch anspruchsvolle Aufgaben und eigene Projekte profitieren. Wir empfehlen dafür sogar ein Urlaubssemester zu nehmen, da Unternehmen mehr Wert auf Praxiserfahrung legen als auf eine kurze Studiendauer.

7. Praktikum als Eintrittskarte

Ein Praktikum kann eine Eintrittskarte für einen Job nach dem Studium sein, ist jedoch in jedem Fall eine wertvolle Erfahrung sowohl aus beruflicher als auch persönlicher Sicht.Ein Praktikum bietet Studenten die Chance berufsrelevante Praxiserfahrung zu sammeln und die gelebte Unternehmenskultur zu erfahren. Wir empfehlen Studenten die Praktikumszeit zu nutzen, um zu prüfen, ob sich die Praxiserfahrung im Praktikum mit den eigenen Erwartungen an das Berufsfeld und das Unternehmen deckt. Der Arbeitgeber wiederum kann auf Basis einer mehrmonatigen Arbeitsprobe das Engagement und die Arbeitsleistung der Studenten beurteilen. Ein Praktikum kann somit eine Eintrittskarte für eine Festanstellung nach dem Studium sein, ist jedoch in jedem Fall eine wertvolle Erfahrung aus beruflicher und persönlicher Sicht, auch wenn es aufgrund nicht vorhandener Stellen oder nicht idealer Passung zwischen Interessen und Fähigkeiten zu den Anforderungen zu keiner Übernahme kommt.

*Aus Gründen der Einfachheit wird die männliche Form verwendet. Es sind jedoch immer männliche und weibliche Personen gemeint.