Clevis Praktikantenspiegel – Interview mit Kristina Bierer

Der CLEVIS Praktikantenspiegel ist eine in ihrem Design völlig einzigartige Studie, um die Arbeitgeberattraktivität differenziert zu analysieren. Die Studie wird seit 2010 jährlich durchgeführt. Insgesamt wurden bereits mehr als 45.000 Bewertungen abgegeben.
Durch die Befragung von aktuellen und ehemaligen Praktikanten ermöglicht die Studie eine authentische und zugleich aussagekräftige Sichtweise auf die bewerteten Unternehmen.

Wir haben dazu mit Kristina Bierer, Studienleiterin des CLEVIS Praktikantenspiegels, gesprochen. Wir wollten von ihr mehr über die Studie, das Thema Arbeitgeberattraktivität und wie man Studienleiterin wird wissen.

 

Frau Bierer, was genau ist eigentlich der Praktikantenspiegel, bzw. was wird hier erhoben?

Der CLEVIS Praktikantenspiegel ist die größte Studie im deutschsprachigen Raum zur Arbeitgeberqualität im Praktikum. Wir befragen aktuelle und ehemalige Praktikanten im Rahmen eines Online-Fragebogens zu ihren Erfahrungen mit dem Arbeitgeber im Praktikum. Darüber hinaus bewerten die Praktikanten außerdem noch das Markenimage und das Employer Branding eines anderen Unternehmens. Mit Hilfe dieser Daten können wir die Arbeitgeberpräferenzen der Praktikanten, also der Fach- und Führungskräfte von morgen ableiten. Diese Future Talents sind die nächste Generation von Arbeitnehmern und somit ist es für Unternehmen sehr wichtig zu wissen, welche Faktoren einen attraktiven Arbeitgeber für diese Zielgruppe ausmachen und wie man die Future Talents anziehen und an das Unternehmen binden kann.

Was macht den CLEVIS Praktikantenspiegel so einzigartig?

Andere Studien ranken die Arbeitgeber bezüglich ihrer Arbeitgeberqualität oder bezüglich ihrer Außenwirkung. Der CLEVIS Praktikantenspiegel ermöglicht die Ableitung eines zweidimensionalen Bilds eines Arbeitgebers – die intern erlebte Arbeitgeberqualität und die Außenwahrnehmung bei Future Talents.

Clevis Praktikantenspiegel

 

Das Ergebnis der Erhebung wird anhand einer Matrix dargestellt und in die Felder  “Star“, “Hidden Champion“, “Pretender“ und “Challenger“ eingeteilt. Können Sie uns das genauer erläutern?

Die CLEVIS Employer Matrix stellt die Unternehmen, die im CLEVIS Praktikantenspiegel mehr als 15 Bewertungen für die Arbeitgeberqualität und mehr als 15 Bewertungen für das Markenimage haben, auf diesen zwei Achsen einander gegenüber. Die Unternehmen werden in vier Quadranten eingeordnet:

  • Stars zeichnen sich durch überdurchschnittliche Werte sowohl bei der Arbeitgeberqualität als auch beim Markenimage aus. Sie haben einen großen Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu den anderen Unternehmen beim Kampf um junge Talente. Ihnen steht ein größerer Bewerberpool zur Verfügung und sie können somit die Top-Bewerber auswählen.
  • Hidden Champions weisen ebenfalls überdurchschnittliche Werte auf der Dimension der Arbeitgeberqualität auf, wurden im Vergleich zu anderen Unternehmen jedoch unterdurchschnittlich hinsichtlich der Markenwahrnehmung bewertet. Hier steckt das Potential dieser Gruppe: Eine zielgerichtete Darstellung der Stärken als Arbeitgeber kann mögliche Bewerber vom Unternehmen überzeugen.
  • Den Gegenpart zu Hidden Champions stellen Pretender dar. Die Wahrnehmung der Marke wird überdurchschnittlich bewertet, wohingegen die Bewertung der Arbeitgeberqualität unter dem Durchschnitt liegt. Unternehmen dieser Gruppe sollten beachten, dass möglicherweise die Erwartungen der Praktikanten nicht erfüllt werden, diese über ihre Enttäuschung berichten und somit potentiellen Bewerbern einen negativen Einblick in das Unternehmen geben. Unternehmen, die als Pretender klassifiziert wurden, können durch eine kritische Überarbeitung ihrer Praktikantenprozesse zum Star aufsteigen.
  • Im Vergleich mit den anderen Unternehmen schneiden die Challenger auf beiden Dimensionen unterdurchschnittlich ab. Auch in dieser Kategorie können Unternehmen durch gezielte Maßnahmen ihre Arbeitgeberqualität verbessern und so attraktiv für Bewerber werden. Zudem sollten sie Praktikanten auch nach Ablauf des Praktikums an das Unternehmen binden, um zu verhindern, dass diese zur Konkurrenz abwandern.

Wie profitieren die Unternehmen vom CLEVIS Praktikantenspiegel?

Der CLEVIS Praktikantenspiegel untersucht, was einen attraktiven Arbeitgeber für die Future Talents ausmacht – also was hat Einfluss auf die von den Praktikanten wahrgenommene Arbeitgeberqualität, was ist ihnen wichtig bei einem Arbeitgeber, warum entscheiden sich Praktikanten für ein Unternehmen und welche Arbeitgeber sind eigentlich für einen Berufseinstieg interessant. Aber wir beschäftigen uns auch damit, welche Angebote von Unternehmen eigentlich wahrgenommen werden und wie Unternehmen noch mit ihren Praktikanten in Verbindung bleiben. Unternehmen erhalten bei uns also wertvollen Input, wie die Future Talents angezogen und gebunden werden können. Talent Relationship Management hat bereits einen hohen Stellenwert in Unternehmen, die Integration in die Talent Management Strategie, sowie die operative Umsetzung sind oft noch optimierungsbedürftig. Über diese Einblicke aus der Studie hinaus können Unternehmen aber auch unternehmensspezifische Benchmarkings erwerben, wo wir auf Item-Basis die Ergebnisse im Vergleich zum Studienschnitt und zwei Wettbewerbern der Wahl gegenübersetzen und hier noch detailliertere Handlungsmaßnahmen gemeinsam mit dem Unternehmen erarbeiten können.

Wie viele Bewertungen fließen pro Jahr in die Befragung ein und werden die Praktikanten von selbst auf Ihre Befragung aufmerksam oder wie ist hier das Procedere?

Insgesamt haben wir jedes Jahr zwischen 5.000 und 6.000 Teilnehmer. Vielen Unternehmen ist die Meinung der Praktikanten sehr wichtig, weswegen mehr als 90% unserer Teilnehmer von ihrem Praktikumsarbeitgeber zur Teilnahme aufgerufen werden. Die restlichen Prozent verteilen sich auf Hochschulen, Kooperationspartner und Social Media.

Gibt es Handlungsempfehlungen, die Clevis besonders häufig an Unternehmen ausspricht oder solche, die sich eigentlich alle Unternehmen gleichermaßen zu Herzen nehmen sollten?

Ein authentisches Auftreten als Arbeitgeber ist besonders wichtig. Das fängt schon im Bewerbungsprozess an. Hier sollte den Bewerbern realistisch Aufgaben und Chancen im Unternehmen aufgezeigt werden. Im Verlauf des Praktikums sollte darauf geachtet werden, dass die Praktikanten einen Fachbetreuer zur Seite haben, der ihnen als Mentor und Ansprechpartner zur Verfügung steht und regelmäßig Feedback gibt. Den größten Einfluss auf die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber haben die Faktoren Lernen und Führung.

Der Ruf der Tätigkeit als Praktikanten war in der Vergangenheit nicht immer der Beste (Kaffee kochen, kopieren, Sachen hinterhertragen, etc.). Hat sich daran in den letzten fünf Jahren viel geändert und wenn ja, was?

In den vergangen fünf Jahren vielleicht nicht unbedingt, aber in den vergangenen zehn Jahren auf jeden Fall. Dem Praktikum und somit auch den Praktikanten wird viel mehr Wertschätzung entgegengebracht. Das zeigt sich allein durch die hohe Zufriedenheit der Praktikanten mit der Aufgabengestaltung.

Gibt es Unternehmensbereiche, die für Praktikanten erfahrungsgemäß günstiger sind als andere? (Bezogen auf Faktoren wie Lernkurve, Gehalt, Umgang?) Kann man etwas darüber sagen, wie das HR im Vergleich zu anderen Unternehmensbereichen aufgestellt ist?

Allgemein lässt sich das so nicht sagen, wir stellen in den unternehmensspezifischen Benchmarkings aber oft fest, dass es tatsächlich Fachabteilungen gibt, denen die Umsetzung gewisser Maßnahmen oder das Nutzen bestimmter Instrumente besser gelingt als anderen Fachabteilungen. Hier gilt es dann gemeinsam mit dem Unternehmen zu erarbeiten, welche Instrumente das sind und ob und wie diese unternehmensweit genutzt werden können.

Was genau ist der „Tag der Praktikanten“?

Der Tag der Praktikanten ist unser großes Event, bei dem wir neben Vorträgen von HR-Experten und Einblicken von Top-Arbeitgebern in ihre Praktikantenprogramme auch die Stars und Hidden Champions aus der aktuellen Studie auszeichnen. Dieses Jahr findet der Tag der Praktikanten am 01.02.2018 in Berlin statt. Die Anmeldung ist unter www.tag-der-praktikanten.de möglich.

Darüber hinaus existiert auch noch ein CLEVIS Azubispiegel. Wie unterscheiden sich diese beiden voneinander (abgesehen von der Zielgruppe)?

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt vor allem darauf, warum sich Schüler für einen Ausbildungsbetrieb und -beruf entscheiden, welche Kanäle nutzen sie, wer hat den größten Einfluss bei der Entscheidung etc. Außerdem haben wir im Austausch mit Unternehmen festgestellt, dass es für Ausbildungsunternehmen in den vergangenen Jahren immer schwerer geworden ist, die Azubis von der Vertragsunterschrift bis zum ersten Arbeitstag zu halten und nicht an andere Arbeitgeber zu verlieren. Damit haben wir uns auch auseinandergesetzt.

Erlauben Sie uns noch eine persönliche Frage: Wie wird man Studienleiterin vom CLEVIS Praktikantenspiegel?

Mein erster Tag bei CLEVIS als Praktikantin damals, war auch der erste Tag des CLEVIS Praktikantenspiegel. Im Praktikum habe ich damals das Konzept mitentwickelt und umgesetzt. Über die vergangenen Jahre bin ich dann mit dem CLEVIS Praktikantenspiegel mitgewachsen und leite mittlerweile die Studie und das Team dahinter.

Vielen lieben Dank für das ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg für Sie und den Praktikantenspiegel.

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