Interview mit Queb-Doktorandin zum Thema Zukunftsinvestition duales Studium

Interview mit Queb-Doktorandin zum Thema Zukunftsinvestition duales Studium

Eva Maria Boder hat im Anschluss an ihr Studiums zunächst in Mexiko gearbeitet und ist seit 2007 als Consultant bei adidas tätig. Derzeit promoviert Sie in Elternzeit über das Thema „Zukunftsinvestition duales Studium. Fachkräfte erfolgreich durch das duale Studium sichern. Best Practice Benchmark führender deutscher Großunternehmen (Queb e.V. Unternehmen)“.

Eva Maria, du promovierst über das Thema duales Studium. Erzähl uns doch bitte kurz, was genau du hier erforschst.

Gerne. Das duale Studium boomt in Deutschland geradezu. Wenn man jedoch HR Manager fragt, warum ihr Unternehmen duale Studiengänge anbietet, dann reagieren diese nicht selten erstaunt über diese Frage. Die Antwort scheint klar auf der Hand zu liegen: Die Nachwuchskräftesicherung steht als Hauptmotiv einer dualen Kooperation klar an erster Stelle.

Doch lohnt sich das duale Studium tatsächlich zur erfolgreichen Fachkräftesicherung? Die Wissenschaft kann hier, zumindest bisher, keine Auskunft geben. Genau hier setze ich an und habe die Queb Unternehmen befragt.

Wie definierst du denn eine erfolgreiche Fachkräftesicherung durch das duale Studium? Steht hier die Übernahmequote im Vordergrund?

Ich finde, dieser Ansatz reicht nicht aus. Da würde das Recruiting wieder isoliert im Fokus stehen: Übernommen = Mission erfolgreich bzw. Fachkraft ist gesichert. Ich denke ein ganzheitlicher Employer Branding Ansatz ist hier gefragt.

Denn was, wenn der duale Absolvent übernommen wird, doch nach wenigen Monaten kündigt? Diese Leute erfasse ich über die Übernahmequote nicht. Was, wenn er oder sie zwar über Jahre hinweg in dem Unternehmen bleibt, jedoch nur Dienst nach Vorschrift macht und sich nicht weiterentwickelt? Das kann aus Unternehmersicht für Potenzialträger doch nicht wünschenswert sein.

Eine erfolgreiche Fachkraftsicherung findet meiner Meinung nach statt, wenn der duale Student nach Abschluss seines Studiums in das Unternehmen eintritt und dort langfristig beschäftigt bleibt. Außerdem sollte er eine positive emotionale Bindung zum Arbeitgeber haben, sozusagen für sein Unternehmen ‚brennen‘. Mein letztes Kriterium ist, dass sich der duale Absolvent besser im Unternehmen entwickeln sollte als ein Direkteinsteiger mit Hochschulabschluss. Werden diese drei Punkte erfüllt, dann kann man von erfolgreicher Sicherung durch das duale Studium sprechen.

Das heißt, Personalmanager können erfahren, ob es sich bei dem dualen Studium um ein Erfolgsmodell handelt und könnten, falls das Ergebnis positiv ausfällt, ihr duales Angebot ausweiten. Ist das dein Ziel?

So viel kann ich schon verraten: Das duale Studium lohnt sich definitiv für Unternehmen! Ich bin mir sicher, dass hier noch viel Potenzial verborgen liegt und hoffe, dass meine Arbeit dazu beiträgt, dass das duale Studium in Deutschland als Zukunftsinvestition angesehen wird und sich positiv in Deutschland weiterentwickelt.

Um Unternehmen in diesem Prozess zu unterstützen habe ich auch eine Best Practice Benchmark in meine Dissertation integriert. Ich habe hierzu untersucht wie Unternehmen durch konkrete Maßnahmen aktiv den Erfolg des dualen Studiums steigern können. Weiterhin erforsche ich, welchen Einfluss die diversen Akteure und Modelle auf den unternehmerischen Erfolg des dualen Studiums haben.

Kannst du uns hier bitte ein paar Beispiele geben?

Ich habe z. B. untersucht, wie zufrieden die Queb Unternehmen mit den staatlichen bzw. privaten Anbietern dualer Studiengänge, also dualen Hochschule Baden-Württemberg (als eigene offizielle Kategorie neben Berufsakademien, Fachhochschulen und Universitäten ), Universitäten oder Fachhochschulen sind. Auch die Rolle der Kosten des dualen Studiums untersuche ich genauer. Ob ein Studium + Ausbildung oder Studium + Praxisphasen für Unternehmen sinnvoller ist oder wie die Betreuung während des Studiums und vor allem des Übernahmeprozesses gestaltet werden soll. Nach dem Abschluss des dualen Bachelors ist es wichtig, weiterhin in eine langfristige und positive Bindung zu investieren: Neben dem direkten Vorgesetzen spielen Entwicklungsperspektiven im Unternehmen, ebenso wie externe Weiterbildung, z. B. einem Masterstudium eine wichtige Rolle. Gerade der Master wird von sehr vielen dualen Bachelorabsolventen, die von ihrem Kooperationsunternehmen übernommen wurden, angestrebt. Diese Situation entpuppt sich für Unternehmen jedoch als problematisch und es gilt, hier neue Möglichkeiten zu schaffen um eine langfristige positive Bindung aufrecht halten zu können. Problematisch ist die Situation deswegen, weil die (dualen) Bachelorabsolventen in ein Unternehmen einsteigen und teilweise sofort (wenn die Betriebsvereinbarungen das gestatten) einen Master beginnen. So fallen sie für das Unternehmen erstmal komplett aus, die Stelle muss aber ‚freigehalten‘ werden (wie bei Elternzeit). Oder sie arbeiten nur wenige Jahre im Unternehmen und kündigen dann, weil sie einen Master machen wollen. Dann ist die langfristige Bindung natürlich dahin. Das Thema Master ist für einer der Hauptprobleme der Unternehmen. Das ist natürlich auch auf ‚reguläre‘ Bachelorabsolventen übertragbar.

Interessant ist, dass in der Theorie bisher einige Aspekte anders dargestellt werden, als Unternehmen diese in der Praxis tatsächlich wahrnehmen.

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse. Wann können mit Details rechnen?

Wenn ich meine Dissertation abgeschlossen habe, also im Frühjahr 2015. Ich freue mich auf ein weiteres Interview, dann mit den konkreten Ergebnissen.

Was die Leser vielleicht noch interessiert, du promovierst in Elternzeit. Das ist ja doch eher ungewöhnlich. Wie kann das klappen?

Ich werde in der Tat sehr häufig, vor allem von Frauen, darauf angesprochen. Vielleicht diene ich anderen ja als Beispiel, dass man die Elternzeit durchaus auch familiengerecht nutzen kann, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Die positive Resonanz die ich erhalte, freut mich jedenfalls immer sehr.

Ich finanziere meine Promotion über ein staatliches Begabtenstipendium für hoch qualifizierte Doktoranden und arbeite ergänzend zur Promotion für Queb e.V. So ist es mir möglich, mir meine Zeiten weitgehend für Oskar (5) und Viktoria (3) frei ein zu teilen. Das funktioniert sehr gut, erfordert natürlich auch viel Willen, Disziplin und Organisation. Aber ich denke, das trifft auf alle berufstätigen Eltern zu.

Eva Maria, danke dir für diese ersten Einblicke in Deine Dissertation. Wir freuen uns auf die Ergebnisse im Frühjahr 2015 sowie ein weiteres Interview mit Dir!

 

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