Interview mit Susanne Labonde, Geschäftsführerin der World Childhood Foundation Deutschland

Auf dem Queb-Herbstforum Ende November 2014 gab Susanne Labonde (ehemals Leiterin Employer Branding bei SAP) bekannt, dass sie ihr 4-jähriges Engagement im Vorstand von Queb aufgibt, um sich nun voll und ganz ihrer neuen Aufgabe zu widmen. Bereits seit Beginn 2014 ist sie als Geschäftsführerin für die World Childhood Foundation Deutschland tätig und im Zuge dessen ist ihr SAP-Arbeitsvertrag ruhend gestellt.Susanne Labonde

Diese, u. a. von ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden gegründete Organisation hat zum Ziel weltweit Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung und Vernachlässigung zu schützen sowie die Kinderrechte zu verteidigen. Derzeit ist die Organisation in über 100 Projekten in 17 Ländern weltweit tätig.

Wir haben dies zum Anlass genommen, uns mit Susanne über die Aufgaben ihres neuen Jobs, die Besonderheiten im Umgang mit einer Königin und den namhaften ehrenamtlichen Mitgliedern des Kuratoriums sowie über die Unterschiede zwischen der Arbeit für eine non-profit Organisation und einem privatwirtschaftlichen Großunternehmen zu unterhalten. Viel Spaß beim Lesen wünscht Queb 😉

 

Queb: Susanne, erzähl doch mal bitte wie es zu diesem Jobwechsel kam.

Ich wollte einfach mal was anderes machen und intern bei SAP nach interessanten Jobs gesucht. Da fiel mir dieses exotische Job Posting „Executive Director World Childhood Foundation” auf und ich habe mich beworben.

Wie war das Auswahlverfahren?

 

Die Stelle wurde behandelt wie alle anderen Stellen auch – interne Bewerbung, Vorgespräch und dann das erste persönliche Interview. Nur die finale Auswahl war komplett anders.

 

Wie war für Dich dieser Rollenwechsel – vom Interviewer zum Interviewten?

Ich war beeindruckt und habe insgeheim gehofft, daß alle Gespräche bei SAP so vertrauensvoll, auf Augenhöhe und schonungslos direkt laufen. Es gab kein „Glamour“-Effekt, weder was das Umfeld noch was die Anforderungen betraf. Dazu kam die gemeinsame Analyse der vorhandenen Fähigkeiten und Stärken mit dem Jobprofil und die neuen Fähigkeiten, die es gilt zu lernen. Da war ich verblüfft – denn in einem Bewerbungsgespräch davon zu sprechen was man noch lernen muss und das völlig selbstverständlich, war für mich neu.

 

Und dürfen wir neugierig sein: Hat Königin Sylvia persönlich das Auswahlinterview geführt bzw. die Auswahlentscheidung getroffen

 

Ja, das war genau so. Ich habe meine Strategie-Empfehlung dem gesamten Kuratorium präsentiert und dabei innerlich ganz schön gezittert. Danach habe ich den Raum verlassen, es wurde diskutiert und Königin Silvia hat Ihre Empfehlung ausgesprochen, die dann auch einstimmig akzeptiert wurde.

Queb: Wie sieht nun Dein Alltag als Geschäftsführerin von World Childhood Foundation aus? Mit welchen Themen beschäftigst Du Dich? Beschreib uns doch mal einen Deiner Arbeitstage.

 

Die meiste Zeit verbringe ich damit, für oder mit Unternehmen gemeinsam die Strategie zu entwickeln, welche Vorteile eine Kooperation Childhood bringen kann denn dem völlig selbstlosen Mäzen bin ich bisher noch nicht begegnet. Da steckt viel Arbeit und übrigens auch Abstimmungsbedarf mit dem Königshaus drin – nicht alle Unternehmen kommen für uns aufgrund Ihrer Business-Ethik, Wertevorstellung oder operativer Geschäftspraktiken nicht in Frage. Der zweite große Bereich ist die Neuausrichtung von Childhood an die jüngere Zielgruppe und hier arbeiten wir an neuen Ideen, die jetzt im März Premiere in Berlin haben. An vielen Tagen wird mit den Experten über die Projekte bzw. Strategie der Projekte, die wir in Deutschland unterstützen, diskutiert. Von den Telkos bin ich nicht ganz verschont, diese sind nach wie vor Teil des Alltags mit den Childhood Kollegen in USA, Brasilien und Schweden. Mindestens einmal pro Woche geht es bei uns um ein Rest-Cent Projekt und hiermit sind jetzt ein UI-Design-Team und eine ehrenamtliche Beraterin beschäftigt.

 

Queb: Was waren in Deinem vergangenen ersten Jahr die größten Herausforderungen für Dich? Wo bist Du möglicherweise auch an Deine Grenzen gestoßen?


Der größte persönliche Flop für mich war ein potenzieller Unternehmenspartner, der dann letztendlich von Schweden abgelehnt wurde und zwar aus durchaus berechtigten ethischen Gründen. Es ist so, wie wenn ein Kunde etwas von Dir kaufen möchte und Du musst ihm sagen, dass er nicht der richtige ist.

Queb: Was war das bisher schönste Erlebnis in Deinem neuen Job? Was macht Deinen neuen Job so reizvoll?

 

Susanne Labonde zu Besuch einem bei dem Projekt „PETRA“ in Schlüchtern

Susanne Labonde zu Besuch einem bei dem Projekt „PETRA“ in Schlüchtern

Mit meinem Job kann ich von morgens bis abends etwas Sinnvolles tun. Das schönste Erlebnis war zu sehen, wie sehr sich die kids gefreut haben, die aus einem Projekt für Flüchtlingskinder in München spontan als Escort-Kids neben den Stars von Bayern München ins Stadion laufen durften. Das war ein toller Tag für sie und ich hoffe, die wird es noch öfter geben in diesem Jahr.

 

Queb: Inwieweit hast Du als Geschäftsführerin der World Childhood Foundation Deutschland Berührungspunkte mit Aufgabenbereichen aus Deinem alten Job bei SAP?


Viele Unternehmen, vor allem erfolgreiche „hidden champions“ aus dem Mittelstand wollen wissen, wie sie mit Childhood auch ihre Employer Brand stärken können. Ausserdem habe ich noch freundschaftlichen Kontakt zu meinem ehemaligen Team.


Wo liegen die gr
ößten Unterschiede zwischen der Arbeit für eine NGO (non-governmental organization) und der für ein Großunternehmen aus der Privatwirtschaft?

Die Motivation, der Spaß an der Arbeit ist höher, das heißt man trifft fast ausschliesslich „Überzeugungstäter“ die mit guten Absichten unterwegs sind und damit enorme Energie verbreiten. Kollegen übernehmen gerne Verantwortung und setzen Ideen auch selbst um. Natürlich geht es auch hier um Geld als Voraussetzung für Erfolg. Der Unterschied ist aber, dass der Erfolg gemessen wird anhand von Wirkung (Verhaltensänderung oder wie vielen Jungen und Mädchen konnte geholfen werden) und nicht als eher abstraktes KPI wie Time to fill, Cost per hire oder generelle Profitabilität.

 

Queb: Wie wurde eigentlich die „Restcent-Initiative“ angenommen, die Du im letzten Jahr promoted hast?

Einige Unternehmen – auch aus dem Queb Umfeld – haben sich bei uns gemeldet. Es glaubte uns keiner, dass dies für SAP Kunden ein echtes Geschenk ist und mit wenig Aufwand live geschaltet werden kann! So können die Mitarbeiter der Firmen jeden Monat den Centbetrag ihres Gehalts spenden und am Ende mitentscheiden wofür. Ganz vorsichtig fangen die Firmen an, dies tatsächlich für 2015 umzusetzen und viele werden auch Childhood einsetzen weil wir durch die unabhängigen Childhood Experten die Qualitätskontrolle und Messbarkeit der Projekte garantieren. Für viele war im letzten Jahr mangelnde IT-Kapazität für die Einführung von Rest-Cent ein Thema. Viele haben das Projekt zum Bazubi oder Early Talent Projekt erhoben und jetzt läuft es. Die Youngster sehen auch die Notwendigkeit, sich für das Thema Missbrauch einzusetzen und das freut uns sehr.

 

Queb: Eine letzte Frage, Susanne: das Thema der Stiftung ist ein sehr emotionales Thema. Macht es das bei Deiner Arbeit leichter oder schwerer?


Für mich macht es die Arbeit schwerer weil mich die Geschichten zum Teil doch sehr mitnehmen. Und ich glaube, das ist ein echter Nachteil als Quereinsteiger – den inneren Abstand muss ich noch lernen.

Susanne, herzlichen Dank für dieses ausgesprochen persönliche Interview. Wir wünschen Dir einen guten Start ins Jahr 2015. Vielen lieben Dank außerdem für Dein langjähriges Engagement bei Queb. Schön, dass Du uns auch weiterhin als Alumni erhalten bleibst.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar