So messen Arbeitgeber die (Echtzeit) Employee Experience ihrer Mitarbeitenden

So messen Arbeitgeber die (Echtzeit) Employee Experience ihrer Mitarbeitenden

Ob Start-up oder Konzern: Wer heute Mitarbeitende binden möchte, kommt an (Echtzeit) Employee Experience und Engagement nicht vorbei. Der Markt für entsprechende Plattformen boomt und bietet eine Vielzahl von Lösungen – etwa für Anerkennung, Feedback oder Unternehmenskultur; mal spielerisch, mal hochanalytisch, oft sogar KI-gestützt. Anbieter wie Workday, Workleap Quantum Workplace und etliche mehr zeigen, wie unterschiedlich die Wege sein können, das Mitarbeitererlebnis zu verbessern.

Warum ist (Echtzeit) Employee Experience so ein großes Thema?

Der Wandel der Arbeitswelt, der Fachkräftemangel und neue Erwartungen an Arbeitgeber machen es für Unternehmen wichtiger denn je, die Zufriedenheit und das Engagement ihrer Mitarbeitenden aktiv zu gestalten. Digitale Tools und Plattformen helfen dabei, Feedback einzuholen und Anerkennung oder Vertrauen sichtbar zu machen. Sie ermöglichen damit, die Messung und Optimierung der eigenen Unternehmenskultur. Der Markt wächst rasant: Weltweit gibt es inzwischen zahlreiche Anbieter, die Unternehmen auf diesem Weg unterstützen.

Ein kurzer Blick auf den Markt für (Echtzeit) Employee Experience

Die Anbieterlandschaft ist vielfältig. Jede Plattform setzt dabei eigene Schwerpunkte. Von Peer-to-Peer-Recognition über Pulsbefragungen bis zu umfassenden Employee-Experience-Lösungen. Manche kommen als eigenständige, aber in die Bewerbermanagementsysteme (ATS) integrierbare Dienste daher. Andere sind bereits als Module in gängigen ATS vorhanden. Wieder andere bieten Realtime-Messungen an, während nicht wenige (standardmäßig) noch nur jährliche Feedbackbefragungen ermöglichen. Da zeigt sich schon, dass Echtzeitmessungen in diesem Bereich keinesfalls Standard sind. Unternehmen sollten bei der Auswahl vorab genau ihre Ziele definieren. Für Unternehmen mit Sitz in Deutschland könnte bei der Auswahl in vielen Fällen weiterhin die DSGVO ein KO-Kriterium sein. Die Zahl der Anbieter mit Servern in Deutschland ist noch überschaubar, der Markt aber sehr dynamisch.
Ein Game-Changer ist auch in diesem Bereich künstliche Intelligenz, die in immer mehr dieser Tools Einzug hält, wenn sie nicht schon von Haus aus darauf basieren.

Das Ziel ist jedoch immer dasselbe: Mitarbeitende motivieren sowie binden und mögliche Absprungrisiken frühzeitig erkennen. Einige Beispiele für Anbieter (aus Deutschland sowie international) in diesem Bereich sind:

Interview mit Leonie von Uthmann, Mitgründerin von NRICHED, home of TrustY

 Leonie von Uthmann und Sandra Rose
Leonie von Uthmann und Sandra Rose

Um besser zu verstehen, was die Tools können und wie sie Arbeitgebern dabei helfen, ihre Mitarbeitenden langfristig zu verstehen und zu binden, haben wir mit Leonie von Uthmann, einer der Gründerinnen von NRICHED gesprochen. Gemeinsam mit ihrer Mitgründerin Sandra Rose beschäftigt sie sich seit Jahren mit dem Thema Vertrauen im Business. Genauer gesagt, wie Vertrauen – als Kern stabiler Geschäftsbeziehungen zu Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten, Investoren etc. – sichtbar und steuerbar wird.

Dafür haben die beiden TrustY entwickelt. Eine All-in-One-Lösung, um das Vertrauen in Geschäftsbeziehungen mess- und steuerbar zu machen. Warum TrustY wie ein Fitnesstraining für starke Mitarbeiterbindung und Employee Experience funktioniert, erklärt Leonie uns im Interview.

Leonie, stell Dich unseren Leser:innen bitte einmal kurz vor!

Gerne. Vom Hintergrund bin ich Diplompsychologin mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie. Sicherlich ein Grundstein, der uns bei der Produktentwicklung von TrustY hilft. Im Schnelldurchgang: Noch bevor ich überhaupt wusste, wie man NRICHED schreibt, habe ich mich viel mit Mitarbeiterbindung und erfolgreichem Miteinander-Arbeiten und -Wirtschaften beschäftigt: erst mehr als fünf Jahre als Employer-Branding-Managerin bei einer führenden Wirtschaftskanzlei und dann noch intensiver in meiner Selbstständigkeit als systemische Organisationsberaterin und Leadership Coach.
Die Erkenntnis, dass Unternehmen unter den gängigen Erfolgsmaßstäben wie Umsatz, Produktivität und Effizienz langfristig oft nicht tragfähig wirtschaften können, ist der Nucleus von TrustY heute.
Für meine Mitgründerin Sandra und mich war genau das der Antrieb: den geschäftlichen Erfolg anders zu messen – nicht nur an klassischen Kennzahlen, sondern entlang der wichtigsten Stakeholder-Beziehungen, also Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden, Lieferanten sowie Investorinnen und Investoren. TrustY steht dafür, alle relevanten Anspruchsgruppen gleichermaßen abzubilden.

Warum sind Mitarbeiterbindung und Employee Engagement für Unternehmen heute wichtiger denn je?

Hart gesagt, weil es einfach nicht mehr so viele hochqualifizierte Menschen auf dem Arbeitsmarkt gibt und auch nicht mehr so viele nachwachsen in den nächsten Jahren. Das klingt kalt und nüchtern. Aber wenn wir mit Geschäftsführenden oder HR-Verantwortlichen sprechen, ist das ein oft gehörter Satz:
„Wir finden heute nicht mehr leicht die Menschen, die wir brauchen.“

Ein weiteres Argument für Mitarbeiterbindung: ein klarer Wettbewerbsvorteil. Studien zeigen immer wieder, dass stark gebundene Mitarbeitende nicht nur bessere Leistungen zeigen, sondern auch die Motivation mitbringen, sich aktiv für das wirtschaftliche Wohlergehen des Unternehmens einzubringen.
Wenn ich Unternehmerin wäre , würde ich mir diese Chance nicht entgehen lassen: Ich habe hochqualifizierte Mitarbeitende, die bleiben wollen, die zu einer produktiven Unternehmenskultur beitragen und die Extra-Meile fürs Unternehmen gehen. Jackpot, oder nicht?

Auch die Kostenperspektive ist ein Evergreen: Was kostet es ein Unternehmen, wenn ein Talent geht? Im Schnitt rund sechs Monatsgehälter – von Kündigung über Rekrutierungskosten (Headhunter oft nicht eingerechnet), Onboarding bis zur vollen Produktivität neuer Mitarbeitender. Die immateriellen Kosten wie Wissensverlust sind noch nicht einmal mitgerechnet.

Wie genau funktioniert euer Tool?

TrustY ist das erste KI-gestützte Vertrauensmanagement-Tool. Kurz gesagt: Es macht das Vertrauen von Mitarbeitenden, Kunden sowie Lieferanten zum Unternehmen sichtbar und steuerbar.
Ihr könnt euch TrustY wie ein Fitnessstudio vorstellen: In einer sechsminütigen Analyse sehen Unternehmen auf einen Blick, welche Vertrauensmuskeln gut trainiert sind und wo Trainingsbedarf besteht.
Vertrauensmuskeln nennen wir die vier Dimensionen, die Vertrauen ausmachen: Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit, Fürsorge und Kompetenz.
TrustY liefert dazu gezielte Trainingspläne, wie Unternehmen ihre Vertrauensmuskeln stärken können – mit konkreten Maßnahmen pro Team, pro Bereich sowie für das ganze Unternehmen.

Was unterscheidet TrustY von anderen Plattformen im Markt?

Uns war wichtig, mit TrustY ein Tool zu bauen, das komplexe Zusammenhänge klar und simpel transportiert. Nach dem Motto „weniger ist mehr“ gibt es bei uns keine x-te Analyse oder komplizierte Detailauswertungen, die am Ende niemand nutzt. Wir wollten nicht das nächste Tool für die Schublade bauen.
Unser Ziel: Unternehmen, Teams und Führungskräfte sollen direkt ins Handeln kommen. Dafür erkennt zum Beispiel ein Bereichsleiter Finance auf einen Blick, dass der Vertrauensmuskel Aufrichtigkeit in seinem Bereich schwach ausgeprägt ist – und kann mithilfe eines konkreten Trainingsplans priorisieren, wie er das stärkt.
Ein Kunde eines weltweit agierenden Pharmakonzerns hat es kürzlich so ausgedrückt: „Im Gegensatz zu unserem bisherigen Engagement Survey liefert TrustY uns differenziert die Pains und Gains für jedes Team und den maßgeschneiderten Follow-up-Plan für die Umsetzung.“

Zudem liefert TrustY nicht nur interne Vertrauensdaten, sondern bewertet die Stabilität von Geschäftsbeziehungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Z.B.: Mitarbeiter- und Kundenbindung können nicht getrennt voneinander gedacht werden. Studienergebnisse zeigen: Stabile Kundenbindung ist ein Spiegel für erfolgreiches Employee Engagement. Genau hier setzt TrustY an: Wir helfen Unternehmen, beide Perspektiven parallel zu analysieren und vernetzte Bindungsmaßnahmen umzusetzen – etwa durch Formate wie Fuck-up Nights, die nicht nur die Lernkultur stärken, sondern auch die Kundenzentrierung fördern.

Wie siehst Du die Entwicklung des Marktes für (Echtzeit) Employee Experience in den nächsten Jahren?

Puh, das ist aufgrund der rasanten Entwicklung von KI schwer vorherzusagen. Meine Vermutung ist, dass der wachsende Bedarf an HR-Analysen – etwa zu Krankenständen, Fluktuation oder Recruiting-Kennzahlen – zunehmend durch human-centered Large Language Models (LLMs) wie Claude von Anthropic, Mistral und vergleichbare Lösungen gedeckt wird. Unternehmen können mithilfe dieser Tools ihre Reportings und Analysen künftig deutlich stärker automatisieren.

Gleichzeitig sehe ich, wie sensibel Unternehmen mit Analysen im Mitarbeiterkontext umgehen und wie stark Faktoren wie Anonymität und Datensicherheit die Teilnahmequote beeinflussen. Deshalb werden Unternehmen auch künftig verstärkt auf externe Analysetools setzen, weil diese ein Höchstmaß an Datensicherheit, Vertraulichkeit und Anonymität gewährleisten. Diese Aspekte werden von Mitarbeitenden deutlich höher bewertet als bei internen Lösungen – und das wirkt sich direkt auf die Datenqualität aus. Besonders bei heiklen Themen wie dem Mitarbeitervertrauen sind externe Anbieter im Vorteil: Wann braucht man verlässlichere Datenquellen, als wenn man die Vertrauensfrage(n) direkt an die eigenen Mitarbeitenden stellt? Genau weil diese Informationen so sensibel sind, setzen viele Unternehmen auf Lösungen, die maximale Anonymität und Vertraulichkeit sicherstellen.

Unsere Erwartung an die Marktentwicklung für die nächsten fünf bis zehn Jahre ist daher klar: Das Thema Mitarbeiterbindung wird für Unternehmen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Der demografische Wandel – etwa durch den Renteneintritt von mehr als 12,9 Millionen Babyboomern – und der zunehmende Fachkräftemangel verschärfen den Druck, qualifizierte und motivierte Mitarbeitende langfristig zu halten. Unternehmen werden deshalb aus rein wirtschaftlichen Gründen stärker in nachhaltig wirksame Engagement-Programme investieren – und zwar umsetzungsorientiert, digital und budgetbewusst. Reine Analysen werden künftig nicht mehr ausreichen. Gefragt sind Lösungen, die Ergebnisse nicht nur messen, sondern auch konkrete Handlungsoptionen liefern. Gleichzeitig wird weniger Budget in teure externe Beraterteams fließen, weil das Angebot an validen, digitalen Lösungen und gut ausgebildeten internen HR-Fachleuten wächst.

Künstliche Intelligenz wird dabei als „verlängerte Werkbank“ eine zentrale Rolle spielen. KI verändert die Organisation von Arbeit und das Miteinander in Teams grundlegend. Studien zur KI-Transformation zeigen, dass trotz Automatisierung der zwischenmenschliche Kontakt der wichtigste Bindungsfaktor bleibt. Unternehmen, die es schaffen, KI sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig die Qualität ihrer Unternehmenskultur zu sichern, werden im Vorteil sein.

Welche Herausforderungen begegnen Unternehmen, wenn sie Mitarbeiterbindung wirklich ernst nehmen wollen?

Das größte Hindernis sind häufig die internen Ressourcen. In fast jedem zweiten Gespräch hören wir Begriffe wie Workload, Belastung, Kapazitätsgrenzen und „überlastete Organisation“.
Um reine Alibi-Maßnahmen beim Employee Engagement – etwa jährliche Befragungen ohne Konsequenzen oder symbolische Benefits wie Obstkörbe – zu vermeiden, braucht es Kapazitäten und den Führungswillen, echte Veränderungen umzusetzen.

Gerade beim Thema Vertrauen in Führung wird es herausfordernd. Als Führungskraft die Vertrauensfrage zu stellen, bedeutet Mut und Offenheit. Vertrauen ist keine Einbahnstraße, sondern ein gegenseitiges Beziehungsangebot: von der Führungskraft an die Mitarbeitenden und genauso wie umgekehrt.
Platt gesagt: Um Vertrauen zu stärken, muss jede und jeder bei sich selbst anfangen.

Welchen Tipp würdest Du Unternehmen geben, die ihre Employee Experience verbessern wollen?

Schaut nicht nur auf Daten und komplexe Analysen, sondern vor allem auf die zwischenmenschlichen Beziehungen in euren Teams. Denn hinter jeder starken Bindung stecken starke Beziehungen – und der Kern davon ist Vertrauen.
Daten sind dabei kein Selbstzweck, sondern das Vehikel, um ins Handeln zu kommen. Unser USP ist, Unternehmen datenbasiert ins Tun zu bringen: Wir liefern sowohl die relevanten KPIs als auch konkrete Maßnahmen für Veränderungen. Genau diese Kombination ist unser Marktversprechen.

Danke für den Einblick in euer Tool und den Ausblick auf eine mögliche Marktentwicklung, Leonie. Wir sind gespannt, wie sich das Thema in den kommenden Jahren entwickelt. Das greifen wir hier im Blog an der einen oder anderen Stelle sicher noch mal auf!

FAQ zu (Echtzeit) Employee Experience

Was bedeutet (Echtzeit) Employee Experience?

(Echtzeit) Employee Experience beschreibt, wie Arbeitgeber kontinuierlich die Erfahrungen, Bedürfnisse und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeitenden messen und optimieren – möglichst in Echtzeit.

Warum ist (Echtzeit) Employee Experience so wichtig?

Sie hilft Arbeitgebern, frühzeitig Stärken und Schwächen in der Unternehmenskultur zu erkennen, Mitarbeitende gezielt zu binden und Fluktuation zu reduzieren.

Welche Tools unterstützen die Messung der (Echtzeit) Employee Experience?

Es gibt zahlreiche Anbieter wie TrustY, Workday Peakon, Culture Amp oder HRpuls. Sie liefern Daten, Insights und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Mitarbeiterbindung.

Welche Rolle spielt KI bei der (Echtzeit) Employee Experience?

KI ermöglicht automatisierte Analysen, personalisierte Empfehlungen und Echtzeit-Feedback. So können Unternehmen schneller reagieren und Maßnahmen datenbasiert umsetzen.

Wie können Unternehmen die (Echtzeit) Employee Experience verbessern?

Unter anderem durch kontinuierliches Feedback, transparente Kommunikation und den Einsatz moderner Tools. Entscheidend ist, Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

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