Eventbericht zur 7. Tagung für Azubi- und Schülermarketing. Too cool for school?

07. & 08. Februar 2019, Forum Quadriga Hochschule, Berlin

Autor: Ricarda Hübner (Covestro)

Too cool for school: 7. Tagung für Azubi- und Schülermarketing

 

Unter dem Motto „Too cool for school” fand die Tagung für Azubi – und Schülermarketing zum mittlerweile siebten Mal statt. In Keynote, Business Cases, Impulsen und Workshops werden rund 120 weitere Besucher und ich uns zwei Tage lang mit einer zentralen Fragestellung beschäftigen, die sich wohl alle Beteiligten stellen. Gefühlt unabhängig von Branche, Region, Anzahl und Fachrichtung der zu besetzenden Ausbildungsplätze für alle omnipräsent: Was tun gegen den vorherrschenden „Akademisierungswahn“? 

Generation Z

Eröffnungmit kurzweiliger Keynote. Die Veranstaltung wird von der britischen Autorin Chloe Combi eingeläutet, die über die sogenannte “Gen Z“ referiert, nach der wir bei der Besetzung unserer Ausbildungsstellen jagen. Buch und Keynote handeln demnach von denen, die heute zwischen 13 und 19 Jahren alt sind. Und auch, wenn uns viele Charakteristika mindestens implizit, wenn nicht sogar aus erster Hand bekannt sind, stößt sie in diesem Moment zwei Gedanken an, die sich wie ein roter Faden durch die nächsten zwei Tage ziehen: 

1.  #FOMO!
2. Wir müssen reden. 

Dazu später mehr…

Generation Z: Their Voices, Their Lives https://chloecombi.net

Input, Input und nochmal Input

Mit vielfältigen Themen und Inhalten geht es weiter: 

  • Geofencing auf dem Schulhof, Candy Crush und das Bewerbungsgespräch beim Tretboot fahren (Stadtwerke Düsseldorf)
  • Gamification in der Berufsorientierung: „Jindern“ (Klinikum Dortmund)
  • Authentischer Einsatz von YouTubern (Swisscom, ZV Deutsches Kfz-Gewerbe)
  • Potenziale neuerer Plattformen und Trends wie Tik Tok (trendence)

Die vorgestellten Cases und Impulse geben wert- und gehaltvolle Anregungen sowie ordentlich Gesprächsstoff für das begleitende Rahmenprogramm! Auch die anschließenden Workshops versorgen uns mit zusätzlichen Anstößen. 

Es können zwei von fünf angebotenen Workshops besucht werden. Ich wähle thematisch Influencer Marketing (Talent Hero/meinestadt.de) und Active Sourcing (AZUBIYO). Auch hier habe ich wirklich spannende Inspirationen getankt und bin mit dem gewonnenen Input sehr zufrieden. Die Referenten der angebotenen Workshops arbeiten zugleich für Anbieter interessanter Tools im Azubi-Recruiting (AZUBIYO, dasprogramm, JobUfo, Talent Hero, Talents Connect). Hier haben manche der Referenten – einige mehr, andere weniger – die Gelegenheit zur Platzierung des eigenen Produkts genutzt. Prinzipiell natürlich völlig in Ordnung – aber auch auf einer Veranstaltung, für deren Besuch die Teilnehmenden ohnehin schon zahlen?

Den inhaltlichen Abschluss der Veranstaltung bilden zwei Business Cases aus dem Konzernumfeld, die jeweils ihre Herangehensweisen zur Gewinnung neuer Talente vorstellen. Für die Deutsche Bank (Queb Mitglied) präsentiert Verena Köhler eine ausgereifte Cross-Channel-Kampagne, die auf einem systematischen Netzwerk von Azubi-Insidern fußt. Spontan springt danach Cathleen Schmidt von EWE für einen erkrankten Referenten ein. Sie stellt uns das umfassende Konzept des Energie- und Stromversorgers vor, den ich vorher so noch nicht auf dem Schirm hatte.

Key Learnings und der rote Faden 

Um auf die angesprochenen Leitgedanken der Eröffnungsrednerin zurückzukommen und ein inhaltliches Resümee zur Veranstaltung zu ziehen:

1. #FOMO! 

Vielleicht keine neue, aber nach wie vor prägende Erkenntnis: Unsere Zielgruppe ist und bleibt online. FOMO (eng: fear of missing out) beschreibt die Einstellung und das Gefühl der Gen Z. Der Umgang mit Online-Medien aller Art fällt ihnen nicht nur leicht, sondern wird sogar fast als „lebenswichtig“ empfunden. Die große Mehrheit der Digital Natives würde – hauptsächlich aus Angst etwas zu verpassen – sogar auf einen zweiwöchigen Luxusurlaub verzichten, falls sie als Bedingung dafür auf ihr Smartphone verzichten müssten. Jenseits von Karriereveranstaltungen und der nicht zu unterschätzenden Influencer-Macht der elterlichen Zielgruppe, muss gut platzierter Content im Ausbildungsmarketing unser Sprachrohr der Wahl bleiben.

2. Wir müssen reden. 

Anahand der Kurzvideo-Plattform Tik Tok lässt sich dabei die Bedeutung sich schnell verändernder Rahmenbedingunen ablesen. So haben sich in den letzten Monaten mehr Nutzer die iPhone App Tik Tok heruntergeladen als die App Snapchat, die noch vor kurzem der Spitzenreiter in diesem Segment war. Tik Tok war damit, die weltweit am häufigsten heruntergeladene iPhone-App im ersten Quartal 2018. Die Funktionalität der App bietet schnellste Vernetzung. Auf Abfrage, wer die App kennt, hebt nicht mal die Hälfte der Anwesenden die Hand. 

Auf Abfrage im Raum, wer das Tool zur Rekrutierung nutzt, bleiben alle Hände unten. Ein Paradebeispiel für den Mehrwert, den die Zielgruppe der jugendlichen beim Einsatz in Unternehmen bieten könnte. 

Unsere Azubis kennen beispielsweise in der Regel nicht nur alle digitalen Trends und können uns helfen diese zu verstehen, sie können uns auch aktiv bei deren Umsetzung unterstützen. Dass das möglich ist, zeigt unter anderem der Case der Deutschen Bank, bei dem sogenannte Corporate Influencer zwar gezielt für diese Aufgabe geschult werden, aber Generierung und Auswahl des Contents am Ende des Tages fast ausschließlich selbst in ihrer Hand haben. Authentisch und mit hoher Wahrscheinlichkeit spannender als so mancher „Hochglanzbericht“. 

Mein Fazit zur Veranstaltung

Die Tagung für Azubi- und Schülermarketing ist eine gut organisierte, kurzweilige Veranstaltung im schönen Ambiente der Quadriga Hochschule, Berlin.

Ricarda Hübner (Covestro)

Ricarda Hübner von Covestro hat für die Queb AG Schülermarketing die 7. Tagung für Azubi- und Schülermarketing in Berlin besucht.

In Summe hätte bei mir der Wunsch nach mehr Unternehmens- und weniger Anbieterpräsenz im Programm bestanden, da ich für Letzteres im bezahlten Rahmen kaum Platz sehe. Schön wären auch Inhalte gewesen, die bspw. gezielt auf Herausforderungen wie Mädchen in technischen Berufen oder gänzlich unbekannte Ausbildungsberufe eingehen. Vielleicht eine Möglichkeit für die kommende Tagung?

Die Veranstaltung vermittelt dennoch relevanten Input und lebt am Ende des Tages nicht zuletzt auch vom Austausch mit den anderen Besuchern. Gelöst ist das Rätsel um die Gen Z und den Hang zur Akademisierung am Ende nicht, aber wir gehen gestärkt und mit neuen Instrumenten ans Werk. 🙂 

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