Gestalter statt Konsumenten: DigitalSchoolStory bringt Medienkompetenz zur Zielgruppe Schüler

In Zeiten von Fakenews und KI wird Medienkompetenz als Future Skill immer wichtiger. Die DigitalSchoolStory vermittelt zusätzlich Methodenkompetenz an junge Menschen. Das Ziel ist es, junge Menschen von reinen Social-Media-Konsument:innen zu aktiven Gestalter:innen zu machen. Wie Arbeitgeber, Schulen und vor allem die Zielgruppe selbst davon profitiert, wollten wir im Interview von Nina Mühlens, Co-Founderin & Geschäftsführerin der DigitalSchoolStory wissen.

Wir wünschen Euch gute Unterhaltung und viel Inspiration!

Stell‘ Dich unseren Lesern bitte einmal kurz vor.

Nina Mühlens Digitalschoolstory
Nina Mühlens, Co-Founderin & Geschäftsführerin DigitalSchoolStory gUG

Ich bin Nina Mülhens, Geschäftsführerin und Mitgründerin von DigitalSchoolStory, einem gemeinnützigen Bildungs-Start-up. Mein Ziel ist es, Menschen für das gemeinsame Lernen und Wirken zu begeistern, damit wir uns gegenseitig stark machen. Diesen Anspruch lebe ich neben meiner Rolle als Unternehmerin auch als Kommunikationsstrategin, narrative Organisationsentwicklerin und nicht zuletzt als Familienmensch.

Wie ist die Idee zu DigitalSchoolStory entstanden?

Die Projektidee ging aus einem Bildungs-Hackathon im Juni 2020 hervor und wurde im Bereich Zukunftskompetenzen als eines der insgesamt 15 Gewinnerprojekte gekürt. Dahinter steht: Schulklassen entwickeln in kleinen Teams aus ihrem Unterrichtsstoff kurze, kreative Videos. Begleitet werden sie von Video-Profis aus sozialen Netzwerken, den Pat:innen im Projekt. Nach dem Hackathon haben wir die Idee in Pilot-Klassen getestet. Das funktionierte so gut, dass mein Co-Founder Siegfried Baldauf und ich im Dezember 2020 das gemeinnützige Unternehmen gegründet haben.

Welches Ziel verfolgt DigitalSchoolStory?

Unsere Methode soll neue Lernwege ganz praktisch in der Schule verankern. Das Ziel: Schüler:innen werden von reinen Social Media-Konsument:innen zu aktiven, selbstbewussten Gestalter:innen. Das ist ein Aspekt und beruht darauf, dass die Jugendlichen immer mehr Zeit in den sozialen Netzwerken verbringen. Die erworbenen Kompetenzen wirken und lassen sich eins zu eins auch in der analogen Welt einsetzen. DigitalSchoolStory trägt dazu bei, dass Jugendliche agile, methodische, persönliche und soziale Fähigkeiten erwerben, die sie im Alltag und für ihren Start ins Berufsleben brauchen – Zukunftskompetenzen, die auch Unternehmen händeringend suchen.

Wie genau sieht der Ablauf eines Projekts mit DigitalSchoolStory aus und wie aufwändig ist die Teilnahme?

Die Teilnahme ist einfach. Die Methode lässt sich in jedem Schulfach durchführen, von Mathe über Musik bis zu Umweltkunde, an allen weiterführenden Schulen genauso wie an Berufs- oder Hochschulen. Unsere Methode ist voll in den Schulalltag integriert und lässt sich in zwölf bis 18 Unterrichtsstunden umsetzen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung führt die Teilnehmenden durch die Umsetzung in drei Phasen:

1) Recherchieren und Entwickeln eines roten Fadens in Form eines Storyboards.

2) Produktion eines kreativen Kurzvideoformats analog, zu einem TikTok, Instagram Reels oder YouTube Shorts von zirka einer Minute bis maximal 90 Sekunden.

3) Feedback, Verfeinerung und Präsentation des gedrehten Videos.

Mitmachen ist leicht, ob als Schule oder als Unternehmen: Wir bringen Unternehmen, die digitale Bildung fördern wollen, mit Bildungseinrichtungen, die unsere Methode mit ihren Schüler:innen umsetzen wollen, zusammen. Einfach Kontakt mit mir aufnehmen oder einen unserer nächsten Info-Abende besuchen.

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Wie unterscheidet sich DigitalSchoolStory von anderen Lernmethoden?

Unsere Lernmethode verbindet digitale Medien- und Methodenkompetenz mit der Begeisterung für das Lernen. Das liegt zum einen daran, dass unsere Pat:innen als bekannte Videostars eine Brücke in die Freizeitwelt der Jugendlichen schlagen. Diese ist oft von sozialen Netzwerken wie Instagram, YouTube oder TikTok geprägt. Hier geben wir Anstöße für einen reflektierten Umgang mit den Plattformen.

Zum anderen fördern wir das eigenständige Gestalten der Schüler:innen. Sie erleben eine sehr hohe Selbstwirksamkeit, während sie lernen, ein Thema aus neuen Perspektiven zu sehen, eine Haltung zu entwickeln und diese kreativ auf den Punkt zu bringen. Das erfordert manchmal Mut und es stärkt das selbstbewusste Auftreten. So werden die jungen Menschen zu Mitgestalter:innen – im Unterricht, im Netz und in der Gesellschaft.

DigitalSchoolStory |  Projektablauf

Wie können Schulen und Lehrer von DigitalSchoolStory profitieren?

Mit DigitalSchoolStory erwerben auch die Lehrkräfte neue Kompetenzen. Mit agilen Methoden arbeiten, Wissen in digitale Kurzgeschichten übersetzen und reflektiert hinter die Kulissen der sozialen Netzwerke blicken – all das sind Erfahrungen, an denen auch das Kollegium wächst und sich in der Digitalkompetenz weiterentwickelt. Angefangen damit, als Lehrkraft, Kontrolle abzugeben und die Mädchen und Jungen in ihren Teams eigenständig ihre Story erarbeiten zu lassen. Was hinzu kommt: Mit DigitalSchoolStory vereinbaren die Klassen einen Raum des Vertrauens, in dem niemand ausgelacht wird, damit alle kreativ experimentieren können. Das verändert die Atmosphäre im Unterricht nachhaltig, fördert den Respekt untereinander und die Freude am Ausprobieren neuer Wege.

Wie können Schüler von DigitalSchoolStory profitieren und welche Kompetenzen können sie erwerben?

Mit unserer projektorientierten Lernmethode erlernen die Jugendlichen deutlich mehr als die Unterrichtsinhalte: Sie erwerben persönliche und methodische Kompetenzen für ihre Zukunft.

  • Digitale Medienkompetenz
  • Agile Methoden
  • Präsentation
  • Storytelling
  • Freude am Lernen und Experimentieren

Darüber hinaus gehen die meisten Jugendlichen selbstbewusster aus der Arbeit mit DigitalSchoolStory heraus. Sie lernen, ihre eigenen und die Stärken anderer im Team zu erkennen und für das beste Ergebnis zu nutzen. Durch den mit DigitalSchoolStory entstandenen Raum des Vertrauens begegnen sie einander innerhalb und außerhalb der Schule respektvoller. Und noch mehr: Sie schauen anders in ihre Social Media-Feeds. Sie erkennen, sie hinterfragen, sie reflektieren und sie verstehen. Alles das wird wichtiger mit Blick auch auf unsere Demokratiebildung. Denn ohne Medienkompetenz keine Demokratiebildung. Ein Grund mehr, hier aktiv die Basis zu legen, wenn das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wird.

DigitalSchoolStory |   Vorteile

Wie können Unternehmen sich daran beteiligen und welche Vorteile haben sie als Arbeitgeber dadurch?

Als Förderpartner ermöglichen Unternehmen, dass unsere Idee im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht. Wir brauchen engagierte Unternehmen, die die Umsetzung in den Schulen, Berufsschulen und Hochschulen finanziell fördern. Durch eine Partnerschaft mit DigitalSchoolStory stärken sie die digitale Kompetenz in der Region, den Wirtschaftsstandort und darüber hinaus die Attraktivität.

Als Arbeitgeber profitieren Unternehmen zugleich von neuen Zugängen zu den Jugendlichen. Mit DigitalSchoolStory begegnen Unternehmen jungen Talenten dort, wo sie unterwegs sind: morgens in der Schule und nachmittags in den sozialen Netzwerken. Denn dafür braucht es neue Dialogformate. Diese bieten wir.

Was sind die Pläne für die Zukunft von DigitalSchoolStory?

Wir möchten weiterwachsen. Wir sind bereits in 14 Bundesländern aktiv; das 15. Bundesland startet nach den Sommerferien. Rund 5.000 Schüler:innen haben bisher mit unserer Lernmethode die 21 Century Skills erworben. Wir wollen, dass in zehn Jahren möglichst alle Jugendlichen von unserer Lernmethode profitieren. Daher werden wir uns in die Ausbildung der Lehrkräfte stärker einbringen. Hierzu arbeiten wir einerseits bereits mit pädagogischen Instituten zusammen. Andererseits setzen wir im Studium an, wie an der FAU in Nürnberg. Dort lernen im ersten Semester Wirtschaftspädagogik über 100 Studierende mit unserer Methode ihre Inhalte.

Parallel lassen wir den Kompetenzerwerb mit DigitalSchoolStory wissenschaftlich vom Fraunhofer FIT validieren.

Gleichzeitig entwickeln wir unsere Methode und unser Spektrum ständig weiter. Was mich besonders freut: Unsere Methode wird zunehmend in Unternehmen eingesetzt, um die interne Wissensvernetzung und die digitalen und agilen Kompetenzen zu stärken. Diesen Bereich möchten wir weiter ausbauen. Hier ist viel Potenzial, da wir genau die Kompetenzen stärken, die viele Unternehmen dringend brauchen.

DigitalSchoolStory fördert eine Haltung, die unsere Gesellschaft in Zukunft immer mehr brauchen wird, um mit den schnellen Veränderungen mitzuhalten: Raus aus der Konsumhaltung, rein ins Mitgestalten! So kann Gesellschaft, Bildung und Wirtschaft neugestaltet werden und das gemeinsam mit allen Akteuren.

Kontakt: nina@digitalschoolstory.de

Vielen Dank für das Interview, Nina Mühlens.
Wir wünschen der DigitalSchoolStory viel Erfolg beim Erreichen aller Ziele!